Nach einem langen Flug und einer gemütlichen Zugfahrt quer durch die Republik sind wir wieder daheim! Wir genießen all die Annehmlichkeiten, die man nach unzähligen Nächten im Auto, in Bussen und in Hostels besonders zu schätzen weiß und schwelgen bereits in Erinnerungen. Danke an alle, die unseren Blog gelesen und ein bisschen an unserer Reise teilgenommen haben. Wir hoffen ihr hattet Spaß dabei … wir hatten es auf jeden Fall! Und jetzt: Koffer auspacken.![]()
Category: Asien
Endstation Hanoi
Kaum zu fassen, aber heute ist nicht nur der letzte Tag in Vietnam sondern eben auch der letzte Tag unserer einjährigen Reise. Eine Mischung aus Vorfreude, nach fast einem Jahr wieder in die Heimat zurückzukehren, und etwas Melancholie bestimmte die letzten Tage. Verstärkt wurde dieses Gefühl, als wir in Hanoi zwei Gleichgesinnte trafen. Beide fliegen am gleichen Tag, ebenfalls nach einer Weltreise, zurück nach Deutschland und so haben wir am letzten Abend bis spät Erlebnisse und Anekdoten ausgetauscht…
Die vergangen Tage haben wir uns von Halong Bay City aus via Boot durch die Halong Bucht schippern lassen und uns in das quirlige Treiben von Hanoi gestürzt. Gerade packen wir ein letztes mal unsere Rucksäcke für den Flug. Bevor uns das Taxi zum Flughafen bringt, wollen wir noch ein paar Besorgungen erledigen und das Wasserpuppenspiel besuchen. Und hier noch ein paar Impressionen der vergangenen Tage:
Wer rastet, der rostet…
Unter dem Motto standen die letzten Tage. Etwas anders als vermutet, sind die Strecken lang und die Fahrten in Zug und Nachtbus zeitraubend. Aber der Heimflug naht nun mal mit großen Schritten. Nach einer kurzen Stippvisite in Hue und seinem königlichen Palast saßen wir am nächsten Morgen um 4 Uhr schon im Zug nach Ninh Binh. 12 Stunden zum Fenster rausschauen klingt langweilig, war es aber nicht. Endlos erstrecken sich sattgrüne Reisfelder und in der Ferne kann man die Berge des Hochlandes erahnen. Im 5-Minuten-Takt rollen Speisewägen durch die vollgestellten Gänge und wecken die auf dem Boden schlafenden Passagiere, Vollbremsung hier, kleine Panne dort…Zugfahren ist halt doch schöner als auf dem Highway an allem vorbeizurasen!![]()
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In Ninh Binh wurden wir im Hotel herzlich empfangen: frischgepresster Saft und ein nettes Lächeln lassen die Rückenschmerzen vom Sitzen und Schleppen der Kraxe vergessen. Unser eigentliches Ziel, die trockene Halongbucht, haben wir dann mit einem geliehenen Moped erreicht. Das Verkehrschaos übertrifft alles bisher gesehene. Ich schreiend, Matthias hupend haben wir uns durch Smog und Staub gekämpft um dann für ein paar Stunden in absoluter Ruhe auf dem Boot durch die Wasserstraßen zu gleiten. Und die Landschaft ist wirklich atemberaubend: hohe Berge, die sich aus dem flachen Wasser erheben. Teppiche aus Seerosen breiten sich auf dem Wasser aus, Reiher steigen unvermittelt aus dem Gras auf während man mit dem Boot in ein der dunklen Tropfsteinhöhlen fährt um am anderen Ende wieder in die Landschaft einzutauchen. Nach der trockenen Halongbucht fahren wir morgen in die bekanntere Variante vor der Nordküste Vietnams. Und wie vermutet, der Bus geht morgens um 5 Uhr…die sind hier echte Frühaufsteher!![]()
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Und immer weiter Richtung Norden…
Im letzten Beitrag hatten wir geschrieben, das alles etwas “chaotisch” in Vietnam ist. Wie wir nun festgestellt haben, bezieht sich das anscheinend nur auf das Mekong-Delta, da ab dem Ort Mui Ne alles etwas touristischer und damit einfacher wurde. Ab hier hat man die Möglichkeit die sogenannten “Sleeping Buses” (die zwischen Saigon und Hanoi pendeln) zu nutzen. Diese haben eine Doppelstockbettenkonstruktion in drei Reihen und erinnern eher an eine Jugendherberge als an einen Bus. Diese sind zwar weniger abenteuerlich als die einfachen öffentlichen Buse, aber dafür schneller und wir können unser zeitlichen Rückstand etwas aufholen. Von Mui Ne sind wir nach Nha Trang gefahren und haben den Tag am Stadtstrand verbracht um am Abend mit dem Nachtbus nach Hoi An weiterzufahren. Hoi An hat ein kolonialgeprägtes Stadtinneres mit unzähligen Geschäften und Restaurants. Abends werden die Straßen von Seidenlampions beleuchtet und auf dem kleinen Kanal in der Stadtmitte treiben Kerzen. Einen Ausflug zu den Ruinen der Cham-Kultur (My Son) haben wir ebenfalls unternommen. Hier waren vor allem die Bombenkrater neben den historischen Gebäuden auffällig, die aus der Zeit des Vietnamkrieges stammen.
Von Chau Doc über My Tho nach Mui Ne…
Die Sehenswürdigkeiten machen sich etwas rar in Vietnam, dafür ist das Leben an sich schon eine Sehenswürdigkeit. Genauso chaotisch wie die Städtenamen anmuten, gestaltet sich der Alltag. In der Grenzstadt Chau Doc haben wir festgestellt, dass praktisch niemand auch nur ein einziges Wort Englisch spricht. Prompt haben wir fast 4 Stunden gebraucht um ein Hotel zu finden, Geld zu wechseln und Bustickets zu kaufen. Auch die Menschen sind von einem ganz eigenen (etwas gewöhnungsbedürftigen) Schlag. Während man beim Abendbrot am Mekong sitzt, spukt die Kellnerin (mit der Inbrunst eines Zeche-Kumpels) hinter einem die ganze Zeit in den Fluss. Kurz vor und nach Sonnenuntergang sieht man die meisten nur noch im Schlafanzug über die Straßen laufen. Eine hat beim Gang über die Kreuzung gleich auf ihr Oberteil verzichtet und ist oben ohne durch die Stadt gewandelt. Nicht zu vergessen der öffentliche Nahverkehr: Statt Taxis stehen Mopeds parat um einen samt Gepäck ins Hotel zu befördern. Die Busfahrten sind absolute Geduldsproben. Halbstündlich wird Pause gemacht, der Reifen gewechselt oder der Motor gekühlt. Alles, was Platz wegnimmt (wie Armlehnen) ist abgeschraubt. Dafür finden im vollen Bus auch noch 15 Leute im Gang sitzend Platz. Kinder schreien und schlagen mit leeren Flaschen auf unsere Köpfe, die Leute Rauchen und werfen die Kippen mitten in den Gang, alles isst und kleckert, die Kraxen werden kurzerhand zu Tischen für Kuchenverkäufer und weil unter den Sitzen Reissäcke liegen, muss man 8 Stunden lang die Knie bis zum Kinn anziehen. Wie zur “Wiedergutmachung” habe ich ein aus Geldscheinen liebevoll gefaltetes Herz geschenkt bekommen-von einem vietnamesischen Soldaten.
Nach ein paar anstrengenden Busfahrten sind wir nun an der Küste in Mui Ne angekommen und genießen die frische Brise am Meer. Matthias konnte seine Liste kulinarischer Extravaganzen um gegrillte Kobra mit Zitronengras ergänzen. Zum Ritual gehört auch, dass man das frische Blut der Kobra mit Wodka trinkt und das noch schlagende Herz roh verzehrt…Prost!![]()
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Von Phnom Penh auf dem Mekong nach Vietnam
Nach dem Besuch der Gluthölle in Angkor Wat sind wir direkt in die Hauptstadt Kambodschas gefahren. Durch die Nähe zum Mekong ist das Klima etwas erträglicher und wir schlenderten durch die Straßen und genossen die Annehmlichkeiten einer Stadt. Nach dem Besuch des Präsidenten-Palastes sowie dem Nationalmuseum haben wir uns dazu entschlossen mit dem Boot die Grenze zu Vietnam auf dem Mekong zu überqueren. Auf diesem Gewirr von Kanälen drängen sich kleine Fischerboote sowie große Containerschiffe vor der Kulisse kleiner Dörfer, Tempel und Felder am Flussufer. Nach ein paar extra Dollar Schmiergeld oder auch Bearbeitungsgebühr für die Grenzer konnten wir dann auch nach Vietnam einreisen. ![]()
Kambodscha: Angkor Wat
Das war mal eine wirklich anstrengende Fahrt nach Kambodscha. Fast 12 Stunden haben wir für die 500 km von Pak Chong in Thailand nach Siem Reap gebraucht, einschließlich Grenzübertritt und wilder Taxifahrt im Dunkeln. Aber nun sind wir da und brüten in der Hitze Nordkambodschas. Diesmal haben wir vom Fahrradfahren abgesehen und uns in einem Tuk-Tuk durch die weitläufige Tempelanlage Angkors kutschieren lassen. Und um der Hitze ein Schnippchen zu schlagen, sind wir morgens um halb 5 aufgebrochen (JA, Weltreisen heißt nicht Faulenzen und Langschlafen). An einem Tag schafft man kaum mehr als die 3 größten Tempel Angkor Wat, Angkor Thom und Ta Prohm. Alle sind während der Herrschaft der Khmer entstanden und unterschiedlich gut erhalten. Ta Prohm liegt zur Hälfte in Trümmern und ist teilweise vom Dschungel überwachsen (eingefleischten Lara Croft Fans sei gesagt, dass hier der Film Tomb Raider gedreht wurde). Angkor Wat thront majestisch im Zentrum einer Anlage künstlicher Kanäle. Zu Sonnenauf- und untergang kann man kaum einen Fuß vor den anderen setzen, weil tausende Hobbyfotografen auf das perfekte Licht hoffen. Die größte Anlage, Angkor Thom, ist weitläufig und beherbergt verschiedenste Tempel. Beeindruckend ist vor allem Bayon, dessen Türme von 4 riesigen Gesichtern geformt werden. Die Restaurants in der Stadt weisen übrigens explizit daraufhin, dass sie keine Ratten, Würmer und Affen servieren…gut zu wissen!
Apropos gut zu wissen: ein Jahr ist fast vorbei und am 24.07.2013 sind wir wieder zu Hause.![]()
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Khao Yai National Park
Eigentlich stand der Khao Yai National Park gar nicht auf unserem Plan, aber Dank einer Empfehlung haben wir den Weg hierher gefunden und hatten 3 wunderschöne Tage: im Dschungel und in Bobbys Guesthouse. Die ersten beiden Tage sind wir stundenlang durch den Dschungel gewandert. Anfangs war mir nicht klar, warum wir diese furchtbar hässlichen, hellblauen Stulpen tragen müssen. Als sich dann der erste Blutegel in meine Haut bohrte, wusste ich es besser…und Blutegel gibt es massenweise zur Regenzeit. Man kann sie kaum abziehen, ohne dass sie sich sofort an den Fingern festsaugen. Nach einem Platzregen haben wir die Safari dann im Auto fortgesetzt und uns am ersten Abend gleich in eine ziemlich ungemütliche Situation gebracht. Zuerst haben wir uns riesig gefreut beim Fahren auf einen riesigen Elefantenbullen gestoßen zu sein. Als dann gleich eine ganze Familie mit kleinen Elefantenbabys auftauchte waren wir völlig aus dem Häuschen. Dementsprechend schnell hat die Zahl der Autos zugenommen. Irgendwie hat sich das Blatt dann aber gewendet und plötzlich stand eine riesige Elefantenfamilie vor den Autos und von hinten kamen 2 Elefantenbullen (rechts und links nur dichter Dschungel). Der kleinere Bulle ist dann auf die Autos zu gerannt, hat sich gegen die Fahrerseite des hintersten Autos gestemmt, geräuschvoll die Tür eingedrückt und den Spiegel abgerissen. Da wir das nächste Auto in der Reihe waren, sind wir ganz schnell in die äußerste Ecke der Ladefläche geflüchtet und saßen praktisch aufeinander als der Bulle zu uns kam. In dem Moment hat die Familie aber die Straße verlassen und wir konnten davonrasen. Puh, das war echt knapp! Nachts haben wir mit Ben, unserem Guide, im Park gezeltet und im Kerzenschein zwischen grasenden Rehen unser Abendbrot verputzt (und gehofft es möge nachts kein Elefant über unser Zelt stolpern).
In der Nähe des Parks gibt es eine Fledermaushöhle, die wir am letzten Abend besucht haben. Unglaublich, aber kurz vor Sonnenuntergang beginnen Millionen von Fledermäusen die Höhle zu verlassen um im Nationalpark nach Futter zu suchen. Über fast eine Stunde reißt der Strom von Fledermäusen nicht ab und schlängelt sich am Himmel entlang bis zum Horizont.![]()
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Bangkok hat uns wieder
Ein kurzer Flug von Mandalay nach Thailand und Bangkok hat uns wieder. Ich bin froh das Busfahren in Myanmar hinter mir zu wissen. Es gibt kaum etwas schlimmeres als 7 Stunden mit birmanischen Daily Soaps zugedröhnt zu werden. Da freut man sich sogar, wenn der Bus eine Panne hat.
Nun genießen wir wieder die vermeintlichen Vorzüge der Großstadt, Matthias befolgt seine hochkalorische Diät, Visa für Vietnam haben wir in der Tasche und nach einem Abend Thai-Boxen im Lumpini-Stadium fahren wir morgen Richtung Nationalpark.
Bagan und Mandalay
Bagan, ein trockenes Tal am Irrawaddy-Fluss im Zentrum Myanmars, war einstmals Heimat einer Königsstadt. Noch heute findet man über 2000 buddhistische Tempel auf einem Gebiet von knapp 30qm. Mit dem Fahrrad sind wir bei unglaublichen 42°C durch die trockene Steppenlandschaft geradelt um die verschiedenen Tempel zu besuchen. Der Hitze zum Trotz haben wir Pferdekutschen und Ochsenkarren überholt und am Abend den Sonnenuntergang auf der Spitze eines Tempels genossen. Ein wunderschönes Bild, wenn die untergehende Sonne die Backsteinfassaden der Pagoden in flammendes Rot tüncht. Mount Popa, ein erloschener Vulkan und Wohnstätte der “Nats” haben wir mit einem Guide besucht. “Nats” sind soetwas, wie die Schutzheiligen des Landes, tragisch ums Leben gekommene Helden der Geschichte. Man opfert ihnen Blumen bevor man die endlosen Treppen zum Tempel auf dem Vulkan zurücklegt (am besten in großem Abstand zu den streitsüchtigen Affen, die auf der Treppe hausen). Unser Guide, U Thaung Lwin, wollte uns unbedingt seiner Meditationslehrerin vorstellen, also haben wir Halt in einem buddhistischen Kloster gemacht. Dort hat uns Nwan Ne Weddy, eine alte Nonne, herzlich empfangen, mit Bananen verköstigt, das Klosterleben erläutert und uns eine kleine Einführung in die Kunst des Meditierens gegeben. Übrigens kann jeder, der gewillt ist, einen Monat, ein Jahr oder gerne auch den Rest seines Lebens in diesem Kloster verbringen und sich 9 Stunden am Tag der Meditation hingeben (Kost und Logis inklusive)…![]()
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Nach diesem Einblick ins buddhistische Leben, die Geschichte des Landes und ner Menge Palmzuckerschnaps und –bonbons sind wir zur letzten Etappe unserer Birmareise aufgebrochen: Mandalay. Die alte Königsstadt hat wahrhaft kaum etwas königliches an sich. Nach 2 Wochen in der Natur und kleinen Dörfern erschrickt man bei all dem Verkehr, dem Dreck und der Lautstärke in Mandalay. Selbst das Auftreiben von genießbaren Speisen ist fast unmöglich. Nachdem Matthias fast eine Woche mit Fieber im Bett gelegen hat, sind wir wieder etwas skeptischer in Sachen Essen…aber umsetzen kann man die guten Vorsätze kaum…meist bleibt nur Frittiertes, Kekse oder Obst. Nicht zu vergessen: das Stromnetz ist so instabil, dass praktisch stündlich der Strom ausfällt, weswegen die Straßen gesäumt sind von Generatoren. Die tragen dann wiederum zum einmaligen Geräuschchaos der Stadt bei. Immerhin, im Zentrum der Stadt gibt es eine Oase der Ruhe: der alte Königspalast umgeben von Bäumen, einer Mauer und einem Kanal. Wenn man bei weit über 40°C den 6km-Marsch um das Fort bewältigt hat (als Tourist muss man zwangsläufig einmal herum laufen, da nur der entfernteste Eingang von Ausländern betreten werden darf), kann man in den alten königlichen Hallen wandeln und vom Aussichtsturm die ganze Stadt überblicken. Der Rest des riesigen Forts ist “militärisch sensibles Gelände” und darf (wer hätte es gedacht) nicht betreten werden…![]()
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