Unsere letzten Tage auf dem südamerikanischen Kontinent sind nun leider vorbei. Außerdem wird es hier langsam Herbst, Zeit für uns zu gehen. Auf der Dachterrasse unseres Hostels, direkt am “Plaza de Armas” in Santiago de Chile, haben wir unsere letzten Tage über den Dächern der Stadt ausklingen lassen. ![]()
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Category: Südamerika
Valparaiso
Valparaiso ist ein kleines Hafenstädten an der Pazifikküste. Man sagt, das dieser Ort völlig anders sei als vergleichbare Orte in Chile. Möglicherweise liegt es an der untypischen Wellblech- und Holzhüttenarchitektur, die sich neben den historischen sowie modernen mehrstöckigen Häusern hoch auf die sogenannten Cerros (Hügel) ausbreitet. Gestern waren wir bei einem hier gestrandeten hamburgischen Seemann (über 20 Jahre zur See und schon über 20 Jahre in Chile) und haben Rollmops, Bismarckhering und Matjes gegessen. Bei Bier und Korn saßen wir bis vier Uhr morgens in seinem Restaurant und haben uns eine Menge Seemannsgarn angehört. Ein echt witziger Abend, aber als sich früh morgens Einheimische zum Tanzen und Musizieren vor unserem Fenster getroffen haben, fand die Nacht ein frühzeitiges Ende.![]()
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Nicht, dass ihr denkt wir versuchen sämtliche deutsche Lokale in Südamerika abzuklappern. Aber irgendwie ist das bei so vielen Zuwanderern unumgänglich….
Cordoba ist eine Stadt unter vielen, aber von hier aus kann man den kleinen Ort Villa General Belgrano besuchen. Dieser Ort ist durch den Umstand bekannt geworden, dass die Besatzung des Kriegsschiffes “Admiral Graf Spee” in die Kriegswirren hier strandete. Die Spuren dieser Männer lassen sich heute noch in dem jährlichen “Oktoberfest”, den ca. fünf Brauereien und unzähligen Biergärten wiederfinden. Der ganze Ort wirkt durch seine Architektur wie ein kleines Alpendörfchen, was sicher auch durch den Tourismus forciert wird.
Juhu…wir haben unsere vorerst letzte Nachtfahrt hinter uns gebracht und 3 Tage im von der Sonne verwöhnten Mendoza genossen. Die auch bei Argentiniern beliebte Urlaubsregion gilt als eines der größten Weinanbaugebiete des Landes. Auf dem Fahrrad sind wir dann durch Maipu geradelt um verschiedene Weine direkt beim Winzer zu verkosten (und kurz vor der Ernte noch ein paar Hände voll der süßen Trauben zu probieren).
Buenos Aires
Nach 18 Stunden Busfahrt sind wir erstaunlich erholt aus dem Nachtbus gestiegen und haben uns gleich ins Getümmel gestürzt. Schließlich bleiben uns nur 3 Tage um einen Eindruck von dieser Millionenstadt zu bekommen. Im Wissen darum haben wir uns dann die nächsten Tage die Füße wund gelaufen zwischen Hochhäusern, unendlich langen Alleen, Theatern, Kaffeehäusern und Trödelmärkten. Jeder Stadtteil wartet mit seinem ganzen eigenen Charme auf und überall gibt es argentinische Heladerias mit fantastischem Eis und Parrilla (arg. Spezialitäten vom Holzkohlegrill). Als das Wetter uns dann einen Strich durch die Rechnung machen wollte, haben wir uns auf die Museen gestürzt. Besonders schön war das “Museo Nacional de Bellas Artes”, in dem Werke von Rembrandt, van Gogh, Picasso und Gauguin ausgestellt sind.
3 Tage reichen um die Stadt lieben zu lernen aber zum kennenlernen war es definitiv zu wenig. Aber es bleiben uns leider nur noch 2 Wochen in denen wir noch einmal den Kontinent nach Westen durchqueren wollen.
Bienvenido Argentina – Iguazu
Nach dem Besuch von Asuncion sind wir in Richtung Argentinien aufgebrochen. Dabei haben wir zwei Stopps in den Ortschaften Colonia Indepencia und Villarica eingelegt, wo die Pferdekutsche noch das Taxi ersetzt. ![]()
Von Villarica aus ging es zuerst nach Cuidad del Este um von dort aus (nach einem kurzen Intermezzo in Brasilien) die argentinische Grenze zu übertreten. Am Zoll war dann ein kleiner Sprint notwendig, weil der Bus beinahe ohne uns aber mit unseren Rucksäcken weitergefahren wäre, als wir unsere Ausreisestempel holten). Unser erstes Ziel in Argentinien war Puerto Iguazu. Von hier aus besuchten wir den “größten Wasserfall” der Welt! Einfach nur ein gigantisches Naturschauspiel. Darüberhinaus beherbergt der Iguazu Nationalpark viele Tierarten wie z.B. Nasenbären, Krokodile und Unmengen an Schmetterlingen.![]()
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Asuncion, die Hauptstadt Paraguays…
…umgibt sich mit einer ganz eigenartigen Atmosphäre: irgendwas zwischen Verfall und Modernität. Alte koloniale Bauten, ostblockartige Hochhäuser, moderne Geschäftshäuser, alter Backstein und dazwischen viel Grün. Die Bürgersteige sind Stolperfallen und alles sieht aus, als hätte gestern noch ein riesiges Feuer gewütet. Trotzdem ist die Stadt einladend, die Menschen sind nett und schon die Taxifahrt ins Zentrum war ziemlich amüsant.
Neben den drei großen Kolonien Neuland, Fernheim und Loma Plata haben die Dörfer im Chaco so wohlklingende Namen wie Schönbrunn, Karlsruhe und Rosendorf. Da landet man nach einer anstrengenden Fahrt durch die heiße und staubige Steppe des Chacos in Paraguay und alle sprechen deutsch…all die blonden Haare, hellen Gesichter und die norddeutschen Familiennamen so weit weg von zu Hause-ein komisches Gefühl macht sich da breit.
Die Kolonien wurden von Mennoniten gegründet, die ihren Ursprung in Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz haben (und aus der Täuferbewegung hervorgegangen sind). Von dort zogen sie nach Russland und später Kanada von wo sie nach politischen Veränderungen zu ihren Ungunsten Expeditionen aussendeten um neues Siedlungsgebiet zu finden. Die paraguayische Regierung sah in den Mennoniten ihre Chance um die unwirtlichen Weiten des Chaco urbar zu machen nachdem bereits viele daran gescheitert waren. Dafür wurde ihnen weitestgehende Autonomie und bspw. Befreiung von der Wehrpflicht versprochen. So kamen sie dann vor über 80 Jahren um die Siedlung Menno (Loma Plata) und später Fernheim und Neuland zu gründen, die Felder zu bearbeiten und Vieh zu halten. Inzwischen sind die Bürger in einer Genossenschaft organisiert, die sich neben dem wirtschaftlichen Erfolg auch um Kranken- und Rentenversicherung, Krankenhaus, Schule, Kultur usw. kümmert. Ein Staat im Staat und eine ziemliche Erfolgsgeschichte wenn man die Wirtschaftskraft und den Zuzug der Kolonien betrachtet. Erstaunlich ist, dass eine Durchmischung mit den Latein-Paraguayern nahezu ausgeblieben ist. Eine interessante Geschichte von der ich bis vor 5 Tagen keinerlei Ahnung hatte. Nicht zu vergessen die eigentlich nebensächlichen Vorteile einer deutschen Kolonie: im Supermarkt gibts Leberwurst
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Paraguay, so nah und doch so fern …
Die letzten 4 Tage bestanden eigentlich hauptsächlich aus: Warten auf den Bus, Busfahren und Organisieren der nächsten Busfahrt! Ein kurzer Abriss: Schon in Sucre hat man uns vorgewarnt, dass die nächste Fahrt (nach Camiri) ganz schön aufregend werden wird. Anscheinend fahren auch die meisten Bolivianer wegen der vielen Unfälle und der häufig betrunkenen Busfahrer ziemlich ungern Bus. Aber was machen, wenn man mitten im Nirgendwo sitzt. Wie auch immer, wir fanden uns abends im Bus zwischen schreienden Babys und quirligen Hunden auf unwegsamen Gelände und unbefestigten Straßen wieder. Selbst zwischen Schaltknüppel und Handbremse lag noch das Baby des Fahrers. Nach einer wenig erholsamen Nacht im wackligen Bus bei strömenden Regen ging es dann morgens unbefestigte Serpentinen und enge Kurven am Steilhang entlang durch die letzten Ausläufern der Anden bis wir erleichtert und froh in Camiri angekommen sind-nach fast 15 Stunden Fahrt für knapp 300 km! Nach einer kurzen Fahrt am nächsten Tag waren wir in Villamontes, unserem Ausgangspunkt für die Fahrt nach Paraguay. Nach stundenlangem Suchen haben wir dann den einzigen Bus in unsere Richtung ausfindig gemacht, nur fährt der mitten in der Nacht. Also haben wir aus logistischen Gründen unser klimatisiertes Zimmer mit Pool verlassen und sind ins Hotel neben dem Bahnhof umgezogen…das war mal ne richtige Absteige, aber was will man erwarten, wenn einen die Kakerlaken schon vor der Tür des Hotels anspringen. Notgedrungen haben wir uns dann die Nacht um die Ohren geschlagen um pünktlich 2 Uhr auf dem Bahnhof zu stehen. Nachdem wir schon fast auf unserem Gepäck eingeschlafen waren, kam der Bus dann auch: nach bolivianischer Manier 3 Stunden zu spät. Während der Dämmerung wurden wir fast stündlich aus dem Bus getrieben: Kontrolle der Passagierliste, Ausreisestempel, Kontrolle von irgendwas…so zog sich das bis wir endlich die Grenze nach Paraguay passiert hatten um dann in Reih und Glied anzutreten um zuzuschauen, wie die bewaffneten Grenzer das (ebenfalls in Reih und Glied positionierte) Gepäck durchwühlten: hier hat halt alles seine Ordnung! Mitten auf der einzigen Straße im Chaco, 18 km entfernt von unserem Ziel wollte uns der Busfahrer dann rauswerfen damit wir den Rest laufen (mit 20 kg Gepäck pro Person, bei 35 °C Hitze in der prallen Sonne). Glücklicherweise hat sich jemand gefunden, der uns im Auto zum nächsten Ort mitgenommen hat: Loma Plata- da sind wir nun, in der staubigen Steppe, bei wahnsinniger Hitze und die ganze Stadt spricht deutsch! ![]()
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Sucre
Unser nächstes Ziel nach einer weiteren Fahrt quer durch Bolivien hieß Sucre, “die weiße Stadt”. Dank dem Tipp eines anderen Reisenden haben wir die Annehmlichkeiten der ehemaligen Hauptstadt genossen: das ehemalige deutsche Honorarkonsulat hat uns bei sich “aufgenommen”. Ein herrschaftliches Bett im wunderschönen Gartenhaus umgeben von Blumenbeeten, Vögeln und einem Baumhaus. Zum Mittag im “Kulturcafe Berlin” gab es Currywurst und selbstgemachte Kartoffelpuffer (eine Wohltat nach unserer üblichen Huhn mit Reis oder Pommes Diät). Achja, die Stadt…. wunderschön, kolonial, einladend, fröhlich und ziemlich abgelegen am Rande der Anden. Gerade ist Karneval, was heißt, dass man immer gebückt und in Deckung durch die Straßen bummeln sollte. Überall lauern Wasserbomben und –pistolen! Vor der Weiterfahrt gab es dann noch einen Offroad-Motorradausflug in die Umgebung bevor wir uns nun Schritt für Schritt Richtung Paraguay bewegen.
In den Silberminen von Potosi…
arbeiten heute rund 10000 Bergleute. Schon die Inka förderten hier Silber, später die Spanier, dann ein staatliches Minenunternehmen und heute die Bergleute in einer “Cooperativa”. D.h., die Bergleute, die meist im Familienverbund Untertage nach dem wertvollen Metall graben, sind heute “fast” ihr eigener Herr (wenn man von der Londoner Börse absieht). Wie auch immer, hier hat man die Gelegenheit von Ex-Bergleuten durch die Minen geführt zu werden, sich mit den Arbeitern zu unterhalten und etwas über deren Glauben und Alltag zu erfahren. Dabei wird “El Tio” regelmäßig um mehr Erfolg bei der Silbersuche gebeten. Um “Tio” gnädig zu stimmen, werden mit ihm Cocablätter und 96%-iger Alkohol geteilt. (vermutlich die zwei wichtigsten Substanzen um es dort unten auszuhalten).
P.S.: Damit die Bergleute den Führungen gegenüber aufgeschlossener sind, werden kleine Mitbringsel in Form von Sprengstoff, Alkohol oder Cocablätter als Geschenke überreicht. Diese können übrigens einfach im Landen um die Ecke gekauft werden.